Persona

Städte.
Durchquert.
Immer zu Fuß.

Görlitz.
Dresden.
Almería.
Kiel.
Neumünster.
Palma.

Und jetzt wieder: Berlin

Morgendämmerung.
In der Hand ein Ticket.
Ein Sitzplatz ohne Reservierung.
Ein Großraumabteil.
Ein Zug, der weiterfährt,
während draußen die Landschaft vorüberzieht.

Dann die Ankunft.
Warschauer Straße.
Ein Bahnsteig.
Eine Ankunftshalle.
Ein Aufgang,
der auf die Brücke vor dem Bahnhof führt.
Von dort nach rechts.
Und dann immer geradeaus.

Mein Café.

Ein Tisch.
Eine Tasse.
Ein Fenster.

Davor Bewegung.
Straßenbahnen, Autos, Fahrräder.
Menschen, die irgend wohin müssen.
Eine Großstadtsymphonie.

Irgendwann stehe ich auf.
Gehe auf die Straße.
Die Stadt umarmt mich.
Ich lasse es zu.

Wiederkehr.
Heimkehr.

Ich setze einen Fuß vor den anderen.
Wanderung ohne Ziel.

Und dann höre ich Musik.
In meinem Kopf.

Sie ist immer da.
Wie meine Kamera. Und das Notizbuch.
Ganz gleich wo ich gehe.

Die Musik beginnt irgendwo im Hintergrund.
Und sie bleibt.
Irgendwann ist es nicht mehr nur Musik.
Eher ein Raum, in dem ich mich dann aufhalte.

Max Richter.
Radiohead.
SYML.
Placebo.
Ghostly Kisses.
James Blake.

Manche Lieder haben keinen Anfang mehr.
Sie sind einfach da.
Kehren immer wieder zurück.
In der Stille.
Neben den Bildern.
Zwischen zwei Sätzen.

Später ein Buch.
Immer wieder ein Buch.

Paul Auster.
Patrick Modiano.
Espedal.
Nizon.
Camus.

Ich schlage etwas auf.
Jahre später.
Für einen Moment ist die Zeit nicht vergangen.
Oder sie ist anders vergangen.

Erinnerung.
Abwesenheit.
Zufall.

Ich.

Und da sind auch Filme.
Ich kehre zu ihnen zurück.
Nicht nur wegen der Geschichten.
Eher für das, was nach einem Film bleibt.

Ein Blick.
Ein Abschied.
Menschen, die gehen wollen und bleiben.
Oder bleiben wollen und längst gegangen sind.
Eine schöne Frau in einem Zugabteil.

Pawlikowski.
Wenders.
Ozon.

Distanz.
Licht.

Und immer wieder:
Der Himmel über Berlin.

Und da ist auch die Malerei, die wiederkehrt.
Caspar David Friedrich.
Der Wanderer über dem Nebelmeer.

Moderne Kunst.
Moholy-Nagy.
Raum. Licht. Ordnung. Einsamkeit.

Und Fotografien.
Cartier-Bresson.
Plossu.
Strizic.
Burri.
Hervé.

Ein Auge, das wartet.
Der Finger am Auslöser.
Der Augenblick, bevor etwas geschieht.

Ich nehme das alles wahr.
Und ich halte es fest.
Manchmal mit Worten.
Manchmal in Bildern.
Mehr ist es wohl nicht.

Vielleicht ist es ja auch immer nur dasselbe,
das wiederkehrt.
Nur anders angeordnet.
Oder in einer anderen Form.

Aber warum?
Ich bin mir nicht sicher.
Noch nicht.
Vielleicht ja nie.

Und doch ist da etwas.
Etwas, das bleibt.
Vielleicht gerade,
weil ich es nicht festhalten kann.